Ho Chi Minh City

In Hue hat das Regenwetter mich dazu bewegt, einen Flug nach HCMC zu buchen, um endlich raus aus der Nässe, rein ins Warme zu kommen. Der Flug kostete ein paar Dollar mehr als das Busticket. Jedoch braucht der Bus 24 Stunden und der Flieger eine Stunde. Am Flughafen angekommen, wurde der Flug noch einmal teurer, da Gepäck extra bezahlt wird….ja geschäftstüchtig sind sie alle. Ausnahmslos :)

In Ho Chi Minh City bin ich dann trotz der späten Ankunft um Mitternacht schnell bei einer Unterkunft fündig geworden. Die Ecke Bùi Viện, Phạm Ngũ Lão bietet nicht nur Unterkünfte sondern auch Unterhaltung pur. Livemusik, Restaurants, Händler, Guesthouses und öffentliche Tanzlokale reihen sich hier aneinander und die Einheimischen sind klar in der Minderheit auf der Straße. Einen Vergleich zur Khao San Road in Bangkok darf man ruhig ziehen. Der Kontrast zwischen Hanoi und HCMC könnte nicht größer sein. Es ist, als hätte man das Land gewechselt. Die Leute haben Bäuche, welche man im Norden sehr selten sieht. Die Preise sind höher, das Essen westlicher, die Gebäude höher und das Englisch der Taxifahrer besser.

Der Name Saigon wird heut noch für den ersten Bezirk der Stadt verwendet. Den Jahreswechsel in dieser Metropole zu verbringen, war ein wahnsinniges Erlebnis. Im Hintergrund rechts hinter dem Bitexco Tower sieht man einen Scheinwerfer einer Bühne, in deren Nähe ich diesem tollen Moment beiwohnen durfte.

 

 

Hue

Hue sollte die naechste Station in Richtung Sueden sein. Als ehemaliger Hauptsitz des Kaisers und Hauptstadt Vietnams von 1802 bis 1945 bietet Hue eine Zitadelle mit verbotener Stadt im Stile derer von Peking, welche auch Vorbild war.

Als ich in Hanoi aufbrach, fing es an zu regnen und die ganze Busfahrt(~15 Stunden) ist es nur noch schlimmer geworden. Auch in Hue aenderte sich das kaum, so dass ich am dritten Tag beschloss einen Flug nach Ho-Chi-Minh-City zu buchen. 24 Stunden Busfahrt waren mir dann doch zuviel. Am Tag meines Abfluges schloss der Himmel seine Tore und ich konnte mir wenigstens noch die Zitadelle anschauen. Eine Mischung aus grosser Baustelle, tollen alten Bauten die nicht auf Hochglanz restauriert sind, auf Hochglanz renovierte Bauten und Ruinen die teilweise mit Muell aufgefuellt sind. Hier ist sicherlich noch einiges an finanzieller und archeologischer Unterstuetzung noetig, um diesen Ort in einen fuer seine Relevanz entsprechenden Hort der Geschichte und Kultur Vietnams zu verwandeln.

Als Stadt bietet Hue bereits alles was man als Tourist braucht, tolle Cafes, Restaurants und Hotels jeder Kategorie. Auch der Verkehr ist bei weitem nicht so chaotisch wie in Hanoi.

Ha Long Bucht

Auch in einem vietnamesischen Abenteuer kommt der 24.12. Nach einer Woche Vietnam hab ich beschlossen,  dass Weihnachten dieses Jahr am Meer statt findet. Also habe ich eine der vielen angebotenen 3 Tages-Touren in die Ha Long Bucht gebucht. Man kann da allerlei verschiedene Optionen buchen, ich hab  mich fuer eine Nacht auf einem der typischen Halong Bucht Boote und eine Nacht auf einer einsamen Insel im Bungalow entschieden. Die Tour startete mit Minibus von Hanoi. Nach 3 Stunden waren wir am Meer und haben eine Perlenfarm besucht. Wenn ich mir vorstelle, dass mir jemand ein Stueck Plastik irgendwo reinsteckt um es nach ein paar Jahren wieder raus zu holen und es sich um den Hals zu haengen……arme Austern!

Dann ging es auf die Fantasea Cruise und weiter auf dem Schiff in Richtung Sung Sot Hoehle. Die Ha Long Bucht ist so etwas wie das Elbsandsteingebirge und die Fraenkische Schweiz, wenn man sich das ganze groesser und im Meer vorstellt. Die Kalkfelsen sind ueber Millionen Jahre vom Meer und Regen ausgespuehlt und es haben sich Formationen in einer Dimension entwickelt, die innerhalb der ausserlichen Erscheinung unmoeglich erscheinen.

Nach der Hoehlentour kam das Highlight auf das ich mich am meisten gefreut hatte, Kajak fahren zwischen den steinernen Tuermen. Gemeinsam mit unserer kleinen Gruppe machten wir uns auf den Weg durch eine Grotte, die in einer Lagune endete, welche umgeben von 150 Meter hohen Felswaenden und Urwald an Jurrasic Park, die geheimnisvolle Insel und Robinson Crusoe erinnerte. In den Baeumen auf den Felsen leben Affen. Eigentlich ist Baden in der Bucht verboten und man sollte nicht aussteigen…aber wo kein Klaeger da kein Richter, so unser Guide Chung, der, weil er nicht schwimmen konnte, lieber auf dem grossen Schiff geblieben ist. Der Strand der Lagune besteht aus Muschelbaenken und Matsch und allerlei Getiers, was in Summe ein herrliches Gefuehl zwischen den Zehen und unter den Fuessen ergibt. Das Wasser war mit 23 Grad angenehm. Nur die Felsen mit Flipflops zu beklettern war eine dumme Idee. Nichts passiert und als es dunkel wurde zurueck zum Boot. Dort wartete wieder ein kleines aber feines Mahl vietnameischer Koestlichkeiten darauf von unserer achtkoepfigen Gruppe verschnabuliert zu werden. Den Abend beschlossen wir mit dem Versuch Tintenfische zu angeln, was nicht so klappt im Winter. Also hab ich meinen neuen Freunden aus Singapur, Finnland und unserem vietnamesischen Guide Chung “Schnauz” beigebracht. Merke: es lohnt sich immer ein Kartenspiel einzupacken.

Den naechsten Tag fuhren wir nach Cat Ba Island. Um in einem National Park in mitten der Insel durch Urwald hindurch auf einen der 200 Meter hohen Felsen zu steigen. Bei 27 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit ein kleines Konditionsleistungstraining.

Anschliessend auf nach Monkey Island: 15 Touristen. 12 Bungalows, 20 Angestellte, eine Essenshuette, ein Dieselgenerator, zwei Straende und jede Menge Urwald mit Affen. Das war Heilig Abend 2014 :) Wir haben auch gesungen, denn das ist ja ueberall beliebt in Asien: Karaoke.

Natuerlich gaebe es noch viel mehr zu erwaehnen, z.B. die schwimmenden Haeuser oder die Taxiboote, aber es ist einfach zuviel und ich kann jedem nur empfehlen, besucht Vietnam, die Eindruecke kann man schwer beschreiben. Erwartet aber keinen 5 Sterne Luxus ala Sylt. Am dritten Tag ging es zurueck nach Hanoi.

Sa Pa

Mit dem Nachtzug ging es von Hanoi nach Lao Cai. Die 4 Bettkabine wäre gemütlicher als es erst aussah und nach 9 Stunden war der Spaß auch schon vorbei. Weiter ging es eine Stunde mit dem Minibustaxi über eine halsbrecherische Straße in die Berge. Sa Pa liegt auf ca. 1600 Metern und ist Ausgangspunkt für die Besteigung des Fansipan, des mit 3150 Metern höchsten Berges Indochinas. Leider war das Wetter nicht gut genug um diese Tour zu starten, also hab ich einen kleineren Berg näher an Sapa gemeistert und den anderen Tag ein Moped gemietet. Um Sa Pa leben die Bergstämme der Hmong, Red Dao und Tay. Bereits auf dem Marktplatz in Sa Pa wurde ich von den Händlerinnen gefragt, ob ich nicht mit in ihr Dorf kommen möchte. Die Menschen da sind glücklich über jeden Dollar, den ein Tourist mitbringt.  So bin ich mit dem kleinen roten Blitz durch die Bergregion geknattert und hab hier und da frischen Tee und kräftige Reisgemüsebrühe oder eine Nudelsuppe genossen. Übernachtet habe ich im Green Valley Hotel, man sollte dafür im Winter an ausreichend Kleidung denken, es gibt keine Heizung und windige Fenster, durch die der 5 Grad kalte Nebel den Schlafenden in die immer feuchten Sachen kriecht. Das Highlight war der Nachmittag am offenen Kamin mit  viel Ingwertee und Berghonig. Im Sommer ist Sa Pa sicherlich wundervoll.

Eine junge Händlerin der Hmong erzählte mir von der hohen Sterblichkeitsrate bei Kindern. Das ist für die Menschen da in den Bergen wohl normal. Sie war 19, verheiratet als sie 15 Jahre war und hat 2 Kinder. Ich hab einen schicken Brustbeutel von ihr gekauft. Sicher zu teuer, aber für das Geld kauft sie bestimmt was Ordentliches zu Essen oder zum Anziehen.

Thành Phố Hà Nội

Hanoi, die Stadt innerhalb der Flüsse oder an der Flussbiegung oder… ach egal. Was dachte ich, erwartet mich hier? Am ehesten eine Mischung aus Thailand und China, aber es wäre unfair, Vietnam ein eigenes Bewusstsein abzusprechen. Im Gegenteil, sind die Viets immer extrem geschäftstüchtig, nutzen dabei schlitzohrig Nieschen aus, um dann doch im nächsten Moment ihrer älteren wie auch jüngeren Kultur und Geschichte Tribut zu zollen. Die Verehrung des Landesvaters ist allgegenwärtig. Ebenso der Stolz eines Volkes, dass es nicht nur geschafft hat sich gegen die Amerikaner zu behaupten, sondern bereits zuvor die europäischen Rüpel ins Südchinesische Meer getrieben hat…..von dem Scharmützel mit den Chinesen im Norden mal nicht zu reden. Nach der wechselvollen Geschichte kam auch in Vietnam der Kommunismus an und ist ähnlich zu China im Land vorhanden. Ob ein System gut oder schlecht ist oder war, kann meist erst Jahre später nüchtern betrachtet und beurteilt werden…..Und dann fehlen meistens die Zeitzeugen. In Hanoi wird Ho Chi Minh verehrt, ebenso wird der Freundschaft zur UdSSR und anderen Ländern viel öffentlicher Platz geboten. Es gibt ältere Herren mit Baskenmütze, Händlerinnen von Stämmen aus den Bergen die in Tracht Handarbeiten anbieten, Schüler in der Robe Academicus, die sich im konfuzianischen Tempel vor dem Quell der himmlischen Klarheit mit ihren Freunden und Verwanden am letzten Schultag fotografieren lassen und adrette, stolze, junge Männer in Uniformen jeder Branche.

Die Küche ist vielseitig und durch die prägende Vergangenheit eine Mixtur von asiatischen und europäischen Geschmäckern, aber bei weitem nicht so scharf wie ich befürchtet hatte.

Ein eher banales Erlebnis möchte ich noch kurz nieder schreiben, bei dem ich mich gefragt habe, wie viel wäre mir ein Huhn in Deutschland wert, bzw wie hätte die lustige Hünnerwirtin Erna aus Obermindelsheim reagiert, wenn das bei uns passiert wäre: am Abend meiner Weiterreise nach Sapa mit dem Nachtzug schlenderte ich noch einmal durch die >50 Straßen und Gassen der verwinkelten hanoier Altstadt. Unweit meines Lucky Guesthouses waren mir schon am Nachmittag zwei Hennen und ein Hahn aufgefallen, die ohne den obligatorischen Käfig auf der Straße pickten. Na ein Wunder, dass noch kein Moped oder Auto den Dingern den Gar ausgemacht hat, dachte ich. Als ich wieder vorbei kam, hing der ja eigentlich recht glückliche Hahn etwas lediert auf der Straße. Blut ron aus seinem angefahrenen Köpfchen. Ich ging darauf zu und wollte den Schauplatz der Tragödie passieren, nicht ohne den beiden noch lebenden Hennen einen Blick aufrichtigen Beileides zuzuwerfen, da fährt ein dicker SUV über den Gockel….neben mir, halber Meter.  Ich machte einen Satz zur Seite um der nun doch spritzigen Angelegenheit zu entkommen, hörte noch das verräterische Geräusch das man vom Broiler zerschneiden kennt, da hatte auch schon die Besitzerin des edlen Stammhalters das Malheur bemerkt. Aufgeregt dachte sie natürlich, der SUV sei an dem ganzen Attentat schuld und belegte diesen mit Flüchen, die Jack Sparrow ins Kloster getrieben hätten. Und dann kam etwas unerwartetes, sie weinte. Sie nahm das Tier und führte es seiner voreilig eingetretenen aber sicher angedachten Vorbestimmung zu. Nur hatte sie diese Mahlzeit nicht für diesen Abend geplant, ebenso wenig wie die Dong, für einen neuen Hahn.